Termine und Themen

Ort: Salon des IKKM, Cranachstr. 47, 99423 Weimar.

Zeit: Die Vorlesungen beginnen regulär dienstags um 19:00 h.

Ausnahme I: Die Vorlesung am 20.11. findet im Seminarraum 15 in der Bauhausstraße 11 statt (Beginn um 19:00h).

Ausnahme II: Die Vorlesung am 18.12. findet im Lichthaus Kino statt und beginnt bereits um 18:00 h (s.u.).

Di., 16.10.2018
Rebekka Ladewig: Milieuschäden. Individuum und Milieu bei Kurt Goldstein

Di., 23.10.2018
Maria Muhle (München): Von Insekten und Menschen. Roger Caillois’ mimetische Milieus

Di., 30.10.2018
Bernhard Siegert: Mit dem Milieu verschmelzen: Der absolute Verbrecher

Di., 06.11.2018
Michael Cuntz: Schutzmilieus

Di., 13.11.2018
Henning Schmidgen: Das Milieu der Maschinen

Di., 20.11.2018 # Achtung abweichender Ort ##
Angelika Seppi (Berlin): Zwischen Code und Ereignis. Milieus des Werdens
Der Vortrag findet in der Bauhausstr. 11, Raum 015, statt

Di., 27.11.2018
Andreas Ziemann: Das Prostitutionsmilieu und seine gesetzlichen Regelungen

Di., 04.12.2018
Simon Frisch: Milieus in Filmen und Milieus von Filmen. Inszenierungen, Kinokultur, Filmdiskurse

Di., 11.12.2018
Eva Krivanec: Das Varieté als ›unreines‹ Milieu des frühen Films

Di., 18.12.2018 # Achtung: abweichende Zeit und anderer Ort #
Lorenz Engell: Luchino Visconti: Ossessione
Beginn: 18:00 / Ort: Lichthaus Kino, Am Kirschberg 4, 99423 Weimar

Di., 08.01.2019
Julia Bee: Filmen durch das Milieu. Ethnographischer Film und die audiovisuelle Erforschung von Um/Welten

Di., 15.01.2019
Jörg Paulus: Milieu des Archivs

Di., 22.01.2019
Christiane Voss: Das Milieu der Lebensraumdioramen

Di., 29.01.2019
Stephan Gregory: Unter Einfluss. Im Umkreis des Verrats

Worum geht es in „Tausend Milieus“?

Der Begriff des Milieus hat eine wechselvolle Geschichte, die sich immer wieder mit der des Medienbegriffs überkreuzt hat, sowohl auf dem Feld der Biologie und Ökologie, als auch dem der Soziologie und der Technikgeschichte. Auch die Medienwissenschaft wie wir sie kennen beginnt mit milieutheoretischen Überlegungen: Dringender Auftrag von Marshall McLuhans Klassiker Understanding Media (1964) ist die „synästhetische“ Neukalibrierung der Sinne unter den Bedingungen veränderter, hochtechnisierter „environments“. Tradition hat das Nachdenken über Medien und Milieus aber vor allem in der französischsprachigen Theoriebildung, von André Leroi-Gourhans Erforschung der „milieus techniques“ und Gilbert Simondons Erkundungen zur „Existenzweise technischer Objekte“ bis zu Gilles Deleuzes Versuch, „inmitten“, „in der Mitte“ bzw. „im Milieu“ zu denken. Die gleiche Linie eines Milieu-Denkens verbindet so verschiedene Ansätze wie Félix Guattaris „écosophie“, Régis Debrays Konzept der „mediospère“, Bruno Latours Neuformulierung von Gesellschaft als „Versammlung“ von „Hybriden“ und Bernard Stieglers phänomenologisch inspirierte Technikökologie.

In der deutschen Medienwissenschaft spielte der Begriff des Milieus dagegen lange keine Rolle, was wahrscheinlich daran lag, dass er als ‚zu weich‘ empfunden wurde, um der Dramatik des Satzes „Medien bestimmen unsere Lage“ (Friedrich Kittler) gerecht zu werden. Tatsächlich lässt sich eine Beschreibung, die Medien als „Hardware“, „Struktur“ oder „Gestell“ fasst und von einer mechanischen Kausalität zwischen Technik und Sozialem ausgeht, kaum mit der Vorstellung eines medialen ‚Milieus‘ verbinden, in dem man es mit wechselseitigen und nicht vorherbestimmbaren Wirkungsmächten und Effekten zu tun hat. Dass heute auch in der deutschen Medienwissenschaft und Kulturtechnikforschung über den Milieubegriff nachgedacht wird, hat also zweifellos etwas mit der nachlassenden Konjunktur technikdeterministischer Enthüllungsgeschichten zu tun; es hat aber auch damit zu tun, dass die einst skandalöse Vorstellung, in einer Art ständigen Säftetauschs mit technischen Dingen zu leben, zu einer vertrauten Realität geworden ist. Die Ringvorlesung will den Milieubegriff nicht vorschnell definitorisch einengen oder als neues Masterkonzept für die Medienwissenschaften reklamieren. Wie der Titel „Tausend Milieus“ andeutet, geht es vielmehr darum, aus einer größtmöglichen Zahl von unterschiedlichen Perspektiven danach zu fragen, was das Denken in Milieus auf unterschiedlichen Feldern des Wissens geleistet hat – und was von ihm für medienwissenschaftliche Fragestellungen erwartet werden kann.

English abstract

The lecture series focusses on the recent conjuncture of the term „milieu“ in the context of media studies. The aim is not to prematurely limit the definition of the term or to claim it as a new master concept for the media sciences. As the title „Thousand Milieus“ suggests, it is more about asking from a vast number of different perspectives what effects have been provoked by different kinds of thinking in milieus — and what can be expected of such a thinking for the issues of media science.